Berliner Literaturkonferenz

PRESSEMITTEILUNG (Berlin, den 19.8.2019)

Berliner Senat stellt neuen Haushaltsentwurf vor –
kaum neues Geld für Literatur

Der Berliner Senat hat im Juli seinen Entwurf für den Doppelhaushalt 2020/2021 vorgestellt. Der Kulturhaushalt wächst von 538,8 Mio. Euro 2019 auf 593,2 Mio. Euro 2020 und 606,8 Mio. Euro 2021. Mithin ergibt sich ein Aufwuchs von 68 Mio. Euro. Weniger gut sieht es im Bereich Literatur aus: Die literarischen Institutionen erhalten lediglich einen kleinen Ausgleich für die Tarifaufwüchse, und auch die Situation in der freien Literaturszene ist ernüchternd: Der Aufwuchs von 360.000 Euro entspricht lediglich 1,7 Prozent des Aufwuchses für die gesamte freie Szene.

Dies ist insbesondere enttäuschend, da die Literatur im Vergleich zu anderen Sparten strukturell noch immer erheblich unterfinanziert ist. So entfielen auf die Förderung der freien Literaturszene – immerhin rund 10.000 freie Autor*innen, Übersetzer*innen und Literaturveranstalter*innen – über Stipendien und Projektförderungen im Jahr 2018 lediglich gut 1,1 Mio. Euro. Die freie Darstellende Kunst wurde beispielsweise mit über 27 Mio. Euro gefördert. Die sechs institutionell geförderten Einrichtungen der Literatur erhalten zusammen 4,1 Mio. Euro. Zum Vergleich: Allein die Staatsoper unter den Linden wird im Haushaltsentwurf mit fast 50 Mio. Euro finanziert.

„Zusätzliche Arbeitsstipendien für Autorinnen und Autoren sowie die Öffnung des Projektmittelfonds für Literaturzeitschriften und Verlage sind zwar begrüßenswert, jedoch wurde die Chance auf die längst fällige strukturelle Verbesserung des Fördersystems im Bereich Literatur vertan“, so Moritz Malsch, Vorstandsmitglied des Netzwerks freie Literaturszene Berlin e.V. (NFLB) und Co-Sprecher der Berliner Literaturkonferenz. „Das ist besonders bedauerlich, weil wir mit unseren Mitgliedern hier viele richtungsweisende Ideen entwickelt haben.“

Auch die literarischen Institutionen haben substantielle Konzepte für die Weiterentwicklung der literarischen Landschaft erarbeitet. Ohne eine entsprechende Erhöhung der Zuwendung lassen sich diese Initiativen nicht ausbauen. Das betrifft beispielsweise die Stärkung des Engagements im Bereich der Kulturellen Bildung und die Initiative zur Ausbildung und Förderung literarischer Vermittler*innen durch die Einrichtung von Volontariatsstellen an den Literaturinstitutionen Berlins – beides Grundforderungen der literarischen Einrichtungen. Daneben möchte die freie und die institutionell gebundene Literaturszene im Rahmen der Berliner Literaturkonferenz noch enger zusammenarbeiten, wie sie es etwa im Bereich Marketing jetzt schon tut. „Um weitere gemeinsame Projekte erfolgreich auf den Weg bringen zu können, ist eine moderate finanzielle Ausstattung dieser wichtigen Koordinierungsplattform unerlässlich“, so Florian Höllerer, Leiter des LCB und Co-Sprecher der BLK.

Die BLK schlägt unter anderem eine Basis- und Konzeptförderung für literarische Initiativen vor, die auch Verlage und Literaturzeitschriften einbezieht, sowie Stipendien für Übersetzer*innen und literarische Kurator*innen. „Warum eine Basis- und Konzeptförderung in der Darstellenden Kunst möglich ist, im Literaturbereich aber nicht, ist völlig unverständlich“, ergänzt Lea Schneider, ebenso Vorstandsmitglied im NFLB. „Wir hoffen, dass das Abgeordnetenhaus hier noch wesentlich nachbessert.“ Die Gelegenheit, hier die ersten Schritte zu tun, ergibt sich für die Fachpolitiker*innen bei der heutigen ersten Lesung des Kulturhaushalts im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses.