Drei Buchhandlungen, die von einer unabhängigen Jury als Preisträgerinnen für den Deutschen Buchhandlungspreis 2025 ausgewählt wurden, hat der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, nachträglich von der Liste des Preises gestrichen. Berichte in den Medien zu diesem Vorgang wurden durch seine Behörde bestätigt. Grund für den Ausschluss seien „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“, die gegen die Buchhandlungen „Golden Shop“ (Bremen), „Buchladen Rote Straße“ (Göttingen) und „Buchladen zur schwankenden Weltkugel“ (Berlin) vorliegen sollen.
Mit dem Deutschen Buchhandlungspreis werden Buchhandlungen ausgezeichnet, die sich durch ihr kulturelles Veranstaltungsprogramm, ihr Engagement bei Lese- und/oder Literaturförderung, ihr literarisches Sortiment oder ein besonders innovatives Geschäftsmodell auszeichnen. Eine fachkundige und unabhängige Jury sah diese Kriterien bei den besagten drei Buchhandlungen erfüllt und benannte sie dement-sprechend für eine Auszeichnung mit dem Deutschen Buchhandlungspreis. Das nun bekannt gewordene Vorgehen Wolfram Weimers ist eine kulturpolitische Zäsur, da es die unbedingt notwendige Trennung zwischen staatlicher Rahmensetzung und unabhängigen fachlichen Juryentscheidungen aufhebt.
Als solidarischer Zusammenschluss von Literaturinstitutionen, Freier Szene und assoziierten Partner*innen wie dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg e.V. setzt sich die Berliner Literaturkonferenz für die Literaturstadt Berlin ein. Wir protestieren gegen die politische Einflussnahme des Kulturstaatsministers auf den Deutschen Buchhandlungspreis.
Zugleich sehen wir mit großer Sorge, dass zunehmend weitere kritikwürdige kultur-politische Entscheidungen – wie etwa die Streichung des Programms „Goethe-Institut im Exil“ – offenbar im Sinne einer proaktiven „Risikominimierung”, um nicht zu sagen eines vorauseilenden Gehorsams gegenüber einzelnen Bundesministerien, durch Einrichtungen selbst getroffen werden.
Diese kulturpolitische Dynamik sowie der im Falle der drei ausgeschlossenen Buch-handlungen vorliegende direkte Eingriff des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, in die Arbeit einer unabhängigen Fachjury alarmieren uns in höchstem Maße. Wir appellieren, kulturelle Unabhängigkeit sowie literarische und gesellschaftliche Vielfalt zu wahren und fordern die sofortige Wieder-aufnahme der drei Buchhandlungen in die Liste der Preisträgerinnen.
Berlin, den 09.03.2026
Dr. Christian Hippe, Literaturforum im Brecht-Haus
Miriam Gabriela Möllers, Berliner Bücherfest – Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg e.V.
Dr. Alexander Graeff, BROTFABRIK Berlin
Dr. Annette Wostrak, LesArt Berlin
Katharina Schultens, Haus für Poesie
Dr. Florian Höllerer, Literarisches Colloquium Berlin e.V. (LCB)
Dr. Sonja Longolius und Janika Gelinek, Literaturhaus Berlin
Netzwerk freie Literaturszene Berlin e.V. (NFLB)
Moritz Malsch, Tom Bresemann und Katharina Deloglu, Lettrétage e.V.
Martin Jankowski, Berliner Literarische Aktion